Das ist die Art von Filmen, die toxische Partner bevorzugen, laut Psychologie

Welche Filme dein Partner schaut – und warum das mehr verrät, als du denkst

Okay, hier kommt eine Situation, die vermutlich jeder kennt: Du schlägst einen entspannten Filmabend vor, denkst vielleicht an eine leichte Komödie oder ein spannendes Drama. Dein Partner? Der will zum dritten Mal in dieser Woche einen brutalen Thriller schauen, in dem es hauptsächlich darum geht, wie jemand andere Menschen manipuliert, kontrolliert oder psychologisch fertigmacht. Und du denkst dir: „Na ja, ist halt Geschmackssache.“

Aber hier wird es interessant. Die Medienpsychologie hat in den letzten Jahren etwas ziemlich Faszinierendes herausgefunden: Die Filme, die wir uns immer wieder reinziehen, sind nicht einfach nur Entertainment. Sie können tatsächlich verdammt viel über unsere Persönlichkeit verraten – und ja, auch darüber, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Vor allem in Beziehungen.

Bevor jetzt Panik ausbricht und du anfängst, die Watchlist deines Partners zu durchforsten: Nein, die Vorliebe für einen bestimmten Film macht niemanden automatisch zum toxischen Beziehungsmonster. Aber – und das ist der springende Punkt – verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen ziemlich klare Zusammenhänge zwischen dem, was wir gerne schauen, und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, die in Beziehungen echt problematisch werden können.

Dein Gehirn auf Thrillern: Was die Wissenschaft sagt

Forscher haben mit funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht, wie unser Gehirn auf verschiedene Filmgenres reagiert. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Unsere Vorlieben sind nicht zufällig. Sie hängen direkt damit zusammen, wie unsere neuronalen Schaltkreise ticken.

Menschen, die auf Thriller und Action stehen, zeigen oft schwächere Reaktionen auf negative emotionale Reize. Ihr Gehirn braucht quasi einen stärkeren Kick, um überhaupt etwas zu fühlen. Das klingt erstmal neutral, aber hier kommt der Haken: Diese verminderte emotionale Reaktionsfähigkeit beschränkt sich nicht nur auf den Bildschirm. Sie kann sich auch auf echte zwischenmenschliche Situationen übertragen.

Wenn jemand ständig nach immer intensiveren emotionalen Reizen sucht – ob in Filmen oder in der Beziehung – könnte das ein Hinweis auf ein tieferliegendes Muster sein. Und das ist der Punkt, an dem es interessant wird.

Horror-Fans und die dunkle Seite der Persönlichkeit

Eine Studie der Universität Graz aus dem Jahr 2019 hat sich speziell mit Horrorfilm-Liebhabern beschäftigt. Die Ergebnisse? Ziemlich erhellend. Personen mit ausgeprägten sadistischen Tendenzen zeigen eine deutlich stärkere Vorliebe für extreme Horrorfilme – wir reden hier von Gore, Splatter, Slasher, dem ganzen brutalen Zeug.

Auch Merkmale von Psychopathie korrelieren mit der Vorliebe für besonders gewalthaltige Filmgenres. Und bevor jetzt alle Horrorfilm-Fans kollektiv die Augenbrauen hochziehen: Nein, das bedeutet nicht, dass jeder, der „Saw“ oder „Hostel“ feiert, ein Psychopath ist. Überhaupt nicht.

Viele Menschen schauen Horrorfilme aus völlig harmlosen Gründen – Nervenkitzel, künstlerisches Interesse, die Faszination für das Makabere. Das ist alles total normal. Aber wenn diese Filmvorliebe mit bestimmten Verhaltensmustern im echten Leben zusammenkommt – Kontrollbedürfnis, mangelnde Empathie, oder sogar Freude daran, andere Menschen unwohl zu fühlen – dann sollten bei dir definitiv die Alarmglocken schrillen.

Die Grazer Forscher fanden auch heraus, dass Menschen mit hoher sogenannter „morbider Neugier“ und starkem Sensation-Seeking besonders zu gewalthaltigen Genres tendieren. Sensation-Seeking bedeutet im Grunde: Ich brauche ständig neue, intensive Erfahrungen, sonst wird mir langweilig.

An sich ist das kein Problem. Es wird aber dann heikel in Beziehungen, wenn dieser Drang nach Aufregung auf Kosten des Partners ausgelebt wird. Wir reden hier von Leuten, die bewusst Drama inszenieren, provozieren oder emotionale Achterbahnfahrten veranstalten – einfach weil ihnen die Stabilität zu fade ist.

Die dunkle Triade und warum sie bei der Filmwahl eine Rolle spielt

In der Psychologie gibt es ein Konzept namens Dark Triad – drei Persönlichkeitsmerkmale, die zusammen eine ziemlich toxische Kombination bilden können. Da wäre Machiavellismus, also die Neigung, andere zu manipulieren und zu benutzen. Dann Narzissmus, das übertriebene Selbstbild und mangelnde Interesse an anderen Menschen. Und schließlich Psychopathie, die mit geringer Empathie und impulsivem Verhalten einhergeht.

Mehrere Studien zur Medienrezeption zeigen klare Korrelationen zwischen diesen Traits und der Vorliebe für Action-, Gewalt- und Horrorfilme. Menschen mit hohen Werten bei diesen Merkmalen wählen systematisch Filme, die Machtausübung, Dominanz und Konflikte in den Mittelpunkt stellen.

Das passt zu ihrer Weltanschauung, in der Beziehungen oft als Nullsummenspiele betrachtet werden: Einer gewinnt, einer verliert. Und diese Filme? Die verstärken unbewusst genau diese Denkmuster. Es ist ein Kreislauf, in dem die Filme die Einstellung bestätigen, die wiederum die Filmwahl beeinflusst.

Ein besonders wichtiger Faktor ist dabei die Empathie – oder besser gesagt: der Mangel daran. Studien zeigen, dass Personen mit niedriger emotionaler Empathie nicht nur gewalthaltige Filme bevorzugen, sondern auch weniger Unbehagen beim Anschauen von Leid empfinden. Sie können sich das Leid von Charakteren ansehen, ohne wirklich mitzufühlen.

In einer Beziehung äußert sich das dann als emotionale Kälte, mangelndes Verständnis für die Bedürfnisse des Partners oder – im schlimmsten Fall – als bewusste emotionale Manipulation.

Warum wir schauen, was wir schauen

Die Medienpsychologie erklärt unsere Filmvorlieben mit der sogenannten Uses-and-Gratifications-Theorie. Die Grundidee ist simpel: Wir wählen Medieninhalte, die bestimmte Bedürfnisse befriedigen. Manche Menschen suchen Entspannung, andere Inspiration, wieder andere wollen einen Adrenalinschub.

Menschen mit toxischen Beziehungsmustern könnten unbewusst Filme wählen, die ihre Einstellung zu Macht und Kontrolle bestätigen. Wenn jemand Beziehungen grundsätzlich als Kampf um Dominanz versteht, werden Filme mit genau diesen Dynamiken als besonders befriedigend erlebt. Das Gehirn schüttet dabei Dopamin aus – eine Art Belohnung für die Bestätigung der eigenen Weltsicht.

Das Problem ist: Diese wiederholte Exposition verstärkt diese Denkmuster noch weiter. Es entsteht ein Feedback-Loop, in dem die Filmwahl die Einstellung bestätigt, die wiederum die nächste Filmwahl beeinflusst. Und in Beziehungen kann sich das als zunehmende Normalisierung von Kontrollverhalten, emotionaler Manipulation oder Machtungleichgewichten manifestieren.

Konkrete Warnsignale, auf die du achten solltest

Okay, genug Theorie. Woran erkennst du jetzt konkret, ob die Filmpräferenzen deines Partners ein echtes Warnsignal sein könnten? Hier sind einige Muster, auf die du achten solltest:

  • Ausschließlichkeit: Dein Partner schaut fast nur Filme mit toxischen Beziehungsdynamiken, Machtgefällen oder expliziter Gewalt und lehnt andere Genres komplett ab. Es ist nicht die gelegentliche Action-Dosis, sondern eine obsessive Beschäftigung.
  • Identifikation mit den Tätern: Er oder sie identifiziert sich wiederholt mit manipulativen oder gewalttätigen Charakteren, findet deren Verhalten gerechtfertigt oder sogar bewundernswert.
  • Fehlende emotionale Reaktion: Bei Szenen, die die meisten Menschen zumindest unangenehm finden würden, zeigt dein Partner keinerlei Unbehagen, Mitgefühl oder emotionale Reaktion.
  • Genuss am Leid anderer: Es gibt Anzeichen dafür, dass dein Partner das Leid von Filmcharakteren nicht nur spannend, sondern tatsächlich unterhaltsam oder befriedigend findet.
  • Übertragung ins echte Leben: Verhaltensmuster oder Taktiken aus diesen Filmen werden im Alltag nachgeahmt – Manipulationstaktiken, Gaslighting, Machtspiele, psychologische Spielchen.

Der entscheidende Unterschied: Vorliebe versus Verhalten

Hier kommt die wichtigste Nuance: Filmpräferenzen allein sind niemals ein Beweis für toxisches Verhalten. Das muss ganz klar sein. Viele völlig gesunde, empathische Menschen lieben Horrorfilme, Thriller oder Action-Blockbuster. Das Genre selbst macht niemanden zum schlechten Partner.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Kombination mit realem Verhalten. Wenn dein Partner exzessiv Filme mit problematischen Beziehungsdynamiken schaut UND gleichzeitig in eurer Beziehung kontrollierendes Verhalten zeigt, mangelnde Empathie demonstriert, dich emotional manipuliert oder ständig Machtspiele inszeniert – dann ist die Filmvorliebe ein zusätzliches Puzzleteil im Gesamtbild.

Sie kann darauf hindeuten, dass diese Person solche Dynamiken nicht nur toleriert, sondern vielleicht sogar als normal oder erstrebenswert betrachtet. Und das ist ein massives rotes Flag.

Forschungen zu Aggressivität und Medienkonsum zeigen, dass Menschen mit bereits vorhandenen aggressiven Tendenzen durch gewalthaltige Medien bestärkt werden können. Es ist ein Verstärkungseffekt, keine Ursache. Die problematischen Muster existieren bereits – die Filme gießen sozusagen nur Öl ins Feuer.

Nicht alle Filmpräferenzen sind gleich problematisch

Interessanterweise gibt es auch völlig harmlose oder sogar positive Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Filmvorlieben. Forschungen zum sogenannten „Sadfilm-Paradoxon“ – also der Frage, warum Menschen freiwillig traurige Filme schauen – zeigen, dass Offenheit für Erfahrungen eine große Rolle bei der Filmwahl spielt.

Menschen mit hoher Offenheit suchen vielfältige emotionale Erfahrungen, auch unangenehme. Sie können aus traurigen oder verstörenden Filmen Bedeutung, Reflexion und emotionale Katharsis ziehen. Das ist grundlegend anders als das Muster bei toxischen Persönlichkeiten, die spezifisch nach Macht, Dominanz und Kontrolle in Narrativen suchen.

Der Unterschied liegt in der Motivation: Geht es um emotionale Tiefe, künstlerisches Interesse und Verständnis für die menschliche Erfahrung – oder geht es um die Befriedigung durch dargestellte Macht und das Leid anderer? Das ist der Knackpunkt.

Was du jetzt damit anfangen kannst

Diese Erkenntnisse sind kein Grund, deinen Partner sofort wegen seiner Filmwahl zu verurteilen oder in Panik zu verfallen. Sie sind vielmehr ein Werkzeug zur bewussten Beobachtung von Mustern. Wenn du merkst, dass die Entertainment-Vorlieben deines Partners sich fast ausschließlich um toxische Themen drehen UND du gleichzeitig problematisches Verhalten in der Beziehung bemerkst, ist das definitiv ein Anlass für ein ehrliches Gespräch.

Du kannst auch deine eigenen Vorlieben reflektieren: Welche Art von Geschichten ziehen dich an? Welche Beziehungsdynamiken findest du in Filmen faszinierend – und warum? Diese Selbstbeobachtung kann erstaunlich aufschlussreich sein und dir helfen, deine eigenen unbewussten Muster zu erkennen.

Kontext ist dabei alles. Ein gelegentlicher Actionfilm oder ein Thriller hier und da ist etwas völlig anderes als die exklusive, obsessive Beschäftigung mit gewalthaltigen Inhalten. Die Dosis macht das Gift – und vor allem die Kombination mit realem Verhalten in der Beziehung.

Medienkonsum ist letztlich ein Spiegel unserer inneren Welt. Nicht der einzige, nicht der wichtigste, aber durchaus ein aufschlussreicher. Die Art, wie wir Geschichten konsumieren, sagt etwas darüber aus, welche Narrative wir als normal, erstrebenswert oder unterhaltsam empfinden. Und in Beziehungen ist es verdammt wichtig zu wissen, welches Drehbuch im Kopf deines Partners – oder in deinem eigenen – abläuft.

Die gute Nachricht ist: Bewusstsein ist immer der erste Schritt zur Veränderung. Wenn du diese Muster erkennst – bei dir selbst oder bei anderen – hast du die Chance, bewusste Entscheidungen zu treffen. Du kannst Gespräche führen, Grenzen setzen, oder im Zweifelsfall auch die Konsequenz ziehen und eine toxische Beziehung zu beenden. Am Ende geht es nicht darum, Menschen aufgrund ihrer Filmvorlieben zu verurteilen. Es geht darum, aufmerksam zu sein für Muster, die sich durch verschiedene Lebensbereiche ziehen. Und wenn jemand nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch im echten Leben Macht, Kontrolle und emotionale Manipulation feiert – dann weißt du, dass es Zeit ist, genauer hinzuschauen.

Welche Film-Vorlieben können in Beziehungen Risiken bergen?
Thriller
Horror
Action
Romantik

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